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Grundlagen12. März 20247 Min. Lesezeit

Was ist Scan-to-BIM? Digitale Gebäudeerfassung einfach erklärt

Was ist Scan-to-BIM? Digitale Gebäudeerfassung einfach erklärt

Bei Umbauten oder Erweiterungen stehen Planer häufig vor einem Problem: Die vorhandenen Bestandspläne stimmen nicht mehr mit der Realität überein. Besonders bei älteren Gebäuden oder Industrieanlagen sind Dokumentationen oft unvollständig oder veraltet. Genau hier kommt Scan-to-BIM zum Einsatz – eine Technologie, die Gebäude präzise erfasst und in digitale Modelle umwandelt.

Was bedeutet Scan-to-BIM?

Der Begriff Scan-to-BIM beschreibt einen Prozess, bei dem reale Gebäude oder Anlagen mit einem hochpräzisen 3D-Laserscanner erfasst und anschließend in ein strukturiertes BIM-Modell umgewandelt werden. Das Ergebnis ist ein digitales Abbild, das sowohl die exakte Geometrie als auch zusätzliche Informationen zu Bauteilen enthält.

Der Prozess in vier Schritten:

Realität
3D-Laserscan
Punktwolke
BIM-Modell

Schritt 1: 3D-Laserscan des Gebäudes

Beim 3D-Laserscanning wird ein Objekt mit einem hochmodernen Laserscanner vollständig erfasst. Der Scanner misst dabei Millionen von Punkten im Raum und erzeugt ein extrem präzises digitales Abbild – auf den Millimeter genau.

Typischerweise erfasst werden:

Wände und Deckenstrukturen
Rohrleitungs- und Kanalsysteme
Maschinen und Produktionsanlagen
Stahlkonstruktionen und Tragwerk
Elektro- und Kommunikationsinstallationen
Deckenabhängungen und Befestigungen

Mit modernen Scannern wie dem Leica BLK360 oder RTC360 können große Gebäude oder komplexe Industrieanlagen in weniger als einer Stunde vollständig erfasst werden – ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen.

Schritt 2: Erstellung der Punktwolke

Die einzelnen Scanpositionen werden anschließend automatisch zusammengeführt und bilden eine sogenannte Punktwolke. Dies ist ein dreidimensionales Abbild des kompletten Gebäudes oder der Anlage – mit Millionen von exakten Koordinatenpunkten.

Mit der Punktwolke können Planer:

Maße und Abstände präzise prüfen
Räumliche Beziehungen analysieren
Vorhandene Strukturen untersuchen
Potenzielle Kollisionen erkennen

Schritt 3: Modellierung des BIM-Modells

Im nächsten Schritt wird auf Basis der Punktwolke ein strukturiertes, intelligentes BIM-Modell erstellt. Dabei werden reale Bauteile digital nachgebildet – mit allen relevanten Informationen und Eigenschaften.

Das Modell umfasst typischerweise:

Architektur
  • Wände
  • Türen & Fenster
  • Decken & Böden
Technik
  • Rohrleitungen
  • HVAC-Systeme
  • Elektroinstallationen
Anlagen
  • Maschinen
  • Anlagenkomponenten
  • Konstruktionselemente

Das Modell wird in professioneller Software wie Revit oder Archicad erstellt und folgt dabei internationalen BIM-Standards wie IFC (Industry Foundation Classes). Dies gewährleistet volle Kompatibilität mit anderen Fachplanern und Systemen.

Vorteile von Scan-to-BIM

Hohe Genauigkeit

Das Modell basiert auf realen Messdaten, nicht auf Schätzungen. Maßabweichungen liegen unter 5 mm – ideal für sichere Planung.

Sichere Planung

Umbauten können digital simuliert werden. Rohrleitungen, Lüftung und neue Elemente können auf Kollisionen geprüft werden – vor der Ausführung.

Massive Zeitersparnis

Ein Laserscan dauert 1–2 Tage vor Ort. Manuelle Aufmaße benötigen 2–4 Wochen. Die Zeitersparnis ist erheblich.

Bessere Zusammenarbeit

Architekten, Statiker, Handwerker und Facility Manager arbeiten auf einer gemeinsamen, zuverlässigen Datengrundlage.

Kosteneinsparung

Materialmengen können exakt berechnet werden. Überraschungen auf der Baustelle werden minimiert – typisch 15–20 % Kostenersparnis.

Digitaler Zwilling

Das Modell dient über Jahre hinweg als Asset für Wartung, Inspektionen und zukünftige Umbauten.

Typische Einsatzbereiche

Scan-to-BIM findet Anwendung in vielen Branchen und Projekten:

Umbau von Industrieanlagen

Industriebetriebe benötigen genaue Daten über Maschinen, Rohrleitungen und Stromtrassen. Ein Scan erfasst alles komplett – und der Betrieb läuft weiter.

Bestandsaufnahme von Gebäuden

Altbauten und Lagerhallen haben oft keine aktuellen Pläne. Scan-to-BIM schafft vollständige Klarheit und dient als Grundlage für Modernisierungen.

Architekturplanung und Renovierung

Bei Renovierungen oder Neugestaltungen bietet das BIM-Modell eine sichere Grundlage. Neue Elemente können direkt integriert und auf Konflikte geprüft werden.

Anlagenbau (Pharma, Lebensmittel, Chemie)

Neue Produktionsanlagen müssen präzise ins Bestandsgebäude integriert werden. Scan-to-BIM verhindert kostspielige Fehler auf der Baustelle.

Facility Management

Der digitale Zwilling dient als Vermögensanlage für Wartung, Inspektionen und zukünftige Umbauten. Alle Informationen sind zentral verfügbar.

BLK360 vs. RTC360: Welcher Scanner passt?

Leica BLK360

Kompakt & Portabel

Reichweite

0,5 – 45 m

Scan-Speed

680.000 Punkte/Sek.

Ideal für

Kleine bis mittlere Innenräume und Büros

Dauer

< 1 Min. pro Standort

Leica RTC360

Premium für große Projekte

Reichweite

bis 130 m

Scan-Speed

2.000.000 Punkte/Sek. (3x schneller)

Ideal für

Große Hallen, Außenbereiche, Industrieanlagen

Besonderheit

IP54-zertifiziert für Außenarbeit

Der komplette Prozess

1

Auftragsklärung

Wir verstehen Ihre Anforderungen und definieren den Umfang des Scans sowie das Detaillevel des BIM-Modells.

2

Vor-Ort-Termin & Laserscanning

Der Scan wird durchgeführt. Typische Dauer: 4–8 Stunden je nach Größe und Komplexität. Der Betrieb läuft weiter.

3

Datenverarbeitung & Registrierung

Die Scandaten werden bereinigt, alle Scanpositionen zusammengeführt und georeferenziert.

4

BIM-Modellierung

Auf Basis der Punktwolke wird das strukturierte BIM-Modell erstellt – in Revit, Archicad oder Ihrer bevorzugten Software.

5

Qualitätskontrolle

Das Modell wird auf Genauigkeit, Vollständigkeit und Einhaltung Ihrer Anforderungen geprüft.

6

Übergabe & Support

Sie erhalten alle Daten in den benötigten Formaten: Revit, IFC, E57, XYZ oder DWG. Vollständige Dokumentation inklusive.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert ein Scan-to-BIM-Projekt?

Das hängt von Größe und Komplexität ab. Ein Bürogebäude mit 2.000 m² kann in 3–4 Wochen komplett erfasst und modelliert sein. Komplexe Industrieanlagen mit vielen Anlagenkomponenten benötigen entsprechend mehr Zeit – typisch 6–8 Wochen.

Funktioniert Laserscanning auch im Freien?

Ja, moderne Scanner wie der RTC360 sind IP54-zertifiziert und funktionieren auch bei Sonnenlicht und Regen. Für sehr große Außenbereiche kann die Drohnenvermessung ergänzend eingesetzt werden.

In welchen Formaten werden die Daten übergeben?

Wir liefern Punktwolken in E57, XYZ oder PTS-Format sowie BIM-Modelle in Revit, IFC, DWG oder anderen Formaten – je nach Ihren Anforderungen und Software-Setup.

Kann das BIM-Modell später bearbeitet werden?

Ja, absolut. Das Modell ist vollständig parametrisch und kann in der ursprünglichen Software (Revit, Archicad, etc.) jederzeit bearbeitet, erweitert oder aktualisiert werden.

Was passiert, wenn mein Gebäude besonders komplex ist?

Kein Problem! Komplexe Gebäude erfordern möglicherweise mehr Scanpositionen und Zeit bei der Modellierung, aber alle Komplexität wird erfasst. Wir passen den Prozess an Ihre spezifischen Anforderungen an.

Fazit

Scan-to-BIM verbindet hochpräzise Laserscanning-Technologie mit moderner digitaler Planung. Das Ergebnis ist ein zuverlässiges, digitales Abbild Ihres Gebäudes oder Ihrer Industrieanlage – exakt bis auf wenige Millimeter.

Dies ermöglicht sichere Planungen, minimiert Risiken und führt typischerweise zu 15–20 % Kostenersparnis. Besonders bei Umbauten, Industrieanlagen und Denkmälern zeigt sich der immense Vorteil dieser Technologie.

Bereit für digitale Gebäudeerfassung?

Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, wie Scan-to-BIM Ihr Projekt optimieren kann. Kostenlose, unverbindliche Beratung von der ersten Idee bis zur Modellübergabe.